Für mich bestand diese Sportwoche aus vielen neuen und interessanten Erfahrungen, die ich gemeinsam mit meinem langjährigen Freund Johannes, unserer netten Betreuerin Julia sowie meinem Vater erleben durfte.
Ich beginne am Besten am Anfang.
Wir fuhren am Montag, dem 25. Mai, um 7.45 Uhr, mit einem Bus vom Borg Spittal aus in Richtung Kroatien. Mit dabei waren neben meinem Vater auch noch Julia Assam, eine junge Studentin, die in dieser Sportwoche Erfahrungen für ihr Pädagogikstudium sammelte und uns immer eine große Hilfe war.
Wir erreichten zuerst den slowenischen Grenzübergang. Kurz vor der slowenischen Grenze machte unser KV Herr Prof. Zenz eine wichtige Durchsage und klärte uns über einige geographische Besonderheiten der Gegend auf. An der slowenischen Autobahnraststätte hielt der Bus für eine kurze Pause. Die Raststätte erinnerte mich irgendwie an ein kleines italienisches Café - bis auf den Cappuccino.
Auf jeden Fall ging die Fahrt nach einer halben Stunde weiter. An der kroatischen Grenze mussten wir unsere Pässe vorzeigen, danach durften wir weiterfahren.
Wir kamen nach rund vierstündiger Fahrt in der Anlage "Sol Polynesia" an.
Was mich am meisten erstaunte, war die Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit, das hatte ich so nicht erwartet.
Wir erhielten bald darauf unsere "Wohnungsschlüssel" und besichtigten unser neues Heim.
Unsere Wohnung teilten sich mein Vater, Johannes und ich.
Ich fand mich schnell darin zurecht. Julia wohnte nur einen Bungalow entfernt.
Nachdem wir fürs Erste alle Koffer verstaut und die wichtigsten Dinge ausgepackt hatten, machten wir uns daran, die Gegend zu erkunden. Wir wollten wissen, welche Möglichkeiten sich hier boten.
Nach kurzer Überlegung entschieden wir uns, als erste sportliche Aktivität, Tretboot zu fahren.
Ich bin selbst noch nie auf dem Meer mit einem Tretboot gefahren. Es war herrlich: die Sonne und ein ruhiger Wellengang, noch dazu das Meer sommerlich warm. Mit dem Steuern wechselten wir uns ab. Zuerst Johannes und ich, dann Julia und Christian.
Jetzt muss ich einen sehr bedauerlichen Vorfall erwähnen.
Herr Prof. Glantschnig hatte Johannes in der letzten Turnstunde darum gebeten, den für uns Blinde äußerst wertvollen Klingelball nach Umag mitzunehmen. Er war also dafür verantwortlich. Nun war es so, dass Johannes den Ball nach der Ankunft immer bei sich trug. Das wurde dem Ball allerdings zum Verhängnis. Während der Tretbootfahrt musste er natürlich mit ins Boot. Als wir nach einer Stunde von Bord gingen, war dieser aber nicht mehr an seinem Platz. Er musste unbemerkt bei einem scharfen Manöver in die Weiten des Adriatischen Meeres gerollt sein.
Wie konnten wir bloß sein Klingeln überhören?
Man kann sich vorstellen, dass Herr Prof. Glantschnig sehr entgeistert war, als er vom Verlust dieses bedeutungsvollen Sportgerätes aus dem Inventar des Borg Spittal hörte. Es wird schwer werden, einen passenden Ersatz dafür zu finden.
Natürlich wollten wir am ersten Tag gleich einen Abstecher ins Meer machen. Nach einem kurzen Zimmeraufenthalt gingen wir hinüber zum Restaurant, einer Art Speisesaal für alle Bewohner der Anlage.
Es gab ein äußerst reichhaltiges Buffet mit Fleisch, Gemüse, Fisch, Nudeln, usw.
Nach jedem Abendessen gab es eine Besprechung für den nächsten Tag. Jeder musste zweimal beim Morgensport und zweimal beim Nachmittagssport mitmachen.
Frau Prof. Seilern erklärte, dass wir bis 23.00 Uhr auf den Zimmern sein sollten.
Davor hatten wir zwei Stunden freien Ausgang.
Julia und ich beschlossen, die Anlage etwas genauer zu erkunden. Bei dieser Gelegenheit entdeckten wir in der Mitte eine kleine Shoppingmeile mit einigen Restaurants und einem "Minimarket", wo wir einige Flaschen Mineralwasser kauften.
Danach wollten wir den Hafen besichtigen, konnten ihn aber leider nicht finden.
Unsere Professoren entdeckten wir in einem kleinen Kaffee bei einer abendlichen Besprechung.
Etwas später legten sich alle schlafen und die Nachtruhe kehrte ein.
Leider musste schon nach einem Tag ein Schüler zurück nach Hause geschickt werden.
Am nächsten Morgen war um 7.00 Uhr Morgensport angesagt. Wir begleiteten Herrn Prof. Glantschnig beim Morgenlauf und praktizierten einige Dehnungsübungen. Danach gab es Frühstück.
Draußen war das Wetter - wie schon am Vortag - sehr schön und wir beschlossen, baden zu gehen.
Am Vormittag machten wir einen Ausflug zum Strand und ich kaufte mir einen neuen Hut, der mir auf Anhieb passte.
Am Nachmittag meldeten wir uns fürs Kajakfahren an. Julia und ich bestiegen eines dieser schmalen, aber langgestreckten Paddelboote, Johannes und mein Vater das andere.
Ich saß vorne, Julia hinten. Es funktionierte wunderbar und ich fand heraus, wie man synchron paddelt. Da Julia durch einen Freund schon Erfahrung mit Kajaks gemacht hatte, war sie mir hier eine sehr große Hilfe. Zwischenzeitlich bekamen wir eine kleine Abkühlung in Form einer unerwarteten Welle, die uns an der Breitseite voll traf.
Nach der einstündigen Fahrt bedankten wir uns bei Werner, dem Wassersportleiter, und stellten fest, dass das Kajakfahren für Blinde unter Anleitung ein guter Freizeitsport war.
Anschließend machten wir uns zum Swimmingpool auf, um uns abzukühlen. Nach dem Abendessen gab es die alltägliche Besprechung, bald danach folgte die Nachtruhe.
An den Abenden konnte ich ebenfalls viele interessante Erfahrungen sammeln.
Der Mittwoch war ab Mittag ein Schlechtwettertag. Am Vormittag schien jedoch noch die Sonne. Nach Morgensport und Frühstück hatten wir uns vorgenommen, einmal einen Ausflug mit einem richtigen Sportmotorboot zu unternehmen. Das gelang uns auch. Zuerst dachte ich mir, dass eine Viertelstunde viel zu kurz für eine Tour sei, ich wurde aber eines besseren belehrt. Natürlich wurde das 135PS starke Motorboot von einem professionellen Kapitän gesteuert, sonst wären wir wohl ziemlich früh gekentert.
Das Motorboot fegte schon wenige Minuten nach dem Start wie ein Ferrari über die Wellen hinweg. Manche Wellenberge hoben uns regelrecht aus den Sitzen und auch hier blieb uns eine weitere kühle Dusche nicht erspart. Dieser rasende Ritt kam mir sehr zeitlos vor. Danach fing es an, stark zu regnen und auch ein kühler, schroffer Wind zwang uns dazu, das geplante Segeln auf den nächsten Tag zu verschieben.
Nach einer kurzen Ruhepause im Zimmer unternahmen mein Vater und ich einen Spaziergang zu einer Landzunge, auf der noch alte römische Mauern standen. Fast denselben Weg nahmen wir mit Frau Prof. Seilern und einigen anderen beim Nachmittagsspaziergang. Ich war also insgesamt über zwei Stunden unterwegs.
Am nächsten Morgen verweigerten wir den Morgensport, da wir einmal etwas länger schlafen wollten. Herr Prof. Glantschnig war verwundert.
Nach dem Frühstück gingen wir segeln. Franz, der Segellehrer, gab uns einige Instruktionen, damit Julia und ich das Foggsegel und Johannes das Steuer und das Hauptsegel übernehmen konnten.
Franz überließ die andere Gruppe sich selbst und der Obhut von Herrn Prof. Glantschnig. Wir fuhren weit hinaus auf die offene See, kehrten nach rund einer Stunde wieder wohlbehalten an Land zurück.
Am Nachmittag borgten wir uns zweisitzige Fahrräder, sogenannte "Rikschas" aus und fuhren damit Richtung Umag und wieder zurück. Bei dieser Tour begleitete uns Frau Prof. Heller-Kotric auf dem Mountainbike. Ich war erstaunt, wie viele Strände und Buchten es hier in der Gegend gab. Bei dieser Gelegenheit schenkten Johannes und ich unserer netten Betreuerin Julia eine Kette mit zwei kleinen Delfinen. Darüber hat sie sich sehr gefreut.
Am Abend stand unser Spaziergang nach Umag an. Wie wir erfahren mussten, lag die Hafenstadt gut eine Stunde Fußmarsch von uns entfernt. Trotz des längeren Fußweges gingen alle brav mit und keiner klagte.
Nach einem zweistündigen Aufenthalt in Umag, wo ich für meine Mutter ein schönes Mitbringsel kaufte, gingen wir heimwärts. Nach diesem langen und ereignisreichen Tag fielen wir alle zufrieden, aber sehr müde in die Betten.
Der Freitag war zum Bedauern vieler der letzte Tag in Umag. Den Vormittag beschlossen wir mit dem Besuch einer Trampolinanlage. Zum Glück hatte der Betreiber Theodor geöffnet und wir konnten uns mit Gummiseilen in luftige Höhen tragen lassen.
Das funktionierte so: Du wurdest wie ein Bergsteiger ausgerüstet und bekamst ein Seilgeschirr um den Bauch geschnallt. Links und rechts von dir befanden sich zwei Stützseile, an denen du dich locker anhalten musstest. So konnte man mit einem kleinen Sprung schon bis zu fünf Meter hoch hüpfen.
Das machte sehr viel Spaß. Johannes hat bei dieser Gelegenheit in der Luft einen Salto vollbracht.
Nach diesem schönen Erlebnis hieß es: Zimmerschlüssel abgeben, Koffer tragen und draußen auf den Bus warten.
Mit viel Zufriedenheit, aber auch etwas Wehmut traten wir schließlich die Heimreise an.
Nach einigen Zwischenfällen bei Staus und einem Aufenthalt in einer slowenischen Autobahnraststätte kamen wir alle wohlbehalten zu Hause an.
Wir bedankten uns noch bei Julia für ihre großartige Unterstützung und verabschiedeten uns bei ihr und ihrer Mutter.
Fazit - diese Woche werden wir alle wohl nicht vergessen.
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