"Können wir nicht auch einmal ins Theater fahren?" Diese Frage war eigentlich der Auslöser für die Suche nach einem für diese Altersgruppe passenden Stück. Gesucht, schnell gefunden, Entscheidung gefällt, doch nun standen wir vor einem vorerst schier unlösbaren Problem, nämlich einen geeigneten Zeitpunkt zu finden, was sich in einer Sportklasse, die einen ständigen Balanceakt zwischen Unterricht, Trainingseinheiten, Teilnahme an Wettbewerben sowie durch Auslandsaufenthalte bedingte schulische Absenzen absolvieren muss, als besonders schwieriges Unterfangen herausstellte. Nachdem diese Schwierigkeit schlussendlich überwunden war, stand dem Theaterbesuch nichts mehr im Wege.
Dass sich der Aufwand gelohnt hatte, sich in ein stylisches Outfit zu werfen und zwei Stunden still im Zuschauerraum zu verharren, wurde durch eine hervorragende Inszenierung und durch auf hohem Niveau agierende Schauspieler kompensiert, so dass die Schüler/innen fast unisono ihre Begeisterung darüber zum Ausdruck brachten.
Aber was konnte diese 16-Jährigen so fesseln?
Zum einen war es mit Sicherheit die Aktualität der Thematik, denn es geht darin um den Konflikt zwischen Israel und Palästina. Hans, ein friedliebender jüdischer Bäcker, begegnet eines Tages dem störrischen, aber sensiblen Palästinenser Mahmoud, der praktisch durch die Eingangstür von Hans' Backstube geworfen wird. Zwischen den beiden entwickelt sich eine innige Beziehung und trotz der divergierenden politischen sowie religiösen Positionen stehen sie fast wie Vater und Sohn zueinander. Mahmoud verliebt sich im Laufe der Zeit in die Bäckergehilfin Nora, die schließlich ein Kind von ihm erwartet und mit der er eine Existenz fernab seiner einstigen Heimat aufbauen möchte. Durch den unerwarteten Besuch seines Bruders, der ihn an seine "Pflichten" seiner Familie im Gazastreifen gegenüber erinnert, wird Mahmoud schmerzlich mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Vorerst scheint es so, als wäre er zur Vernunft gekommen und hätte mit seinem einstigen Leben abgeschlossen, doch das Stück endet tragisch - zum Bedauern der meisten Schüler/innen, die sich ein versöhnliches Ende gewünscht hätten. Mahmoud begeht ein Selbstmordattentat, indem er sich selbst in die Luft sprengt und weitere zehn Juden mit in den Tod reißt. Außerdem werden bei diesem Anschlag noch sechzehn Menschen verletzt.
Anhand der beiden Protagonisten wird unmissverständlich gezeigt, was passieren kann, wenn Privates direkt mit Politischem verwoben wird. Das tragische Ende zerstört aber die Hoffnung auf eine Lösung dieses Konfliktes.
Zum anderen waren es sowohl die rasante, treffsichere Inszenierung, die kaum Leerläufe entstehen ließ, als auch das überzeugende Auftreten der Schauspieler, was die Schüler/innen begeistern konnte. Außerdem trug das Ambiente eines kleinen Zuschauerraumes, in dem sich der Besucher in unmittelbarer Nähe des Geschehens befindet, wesentlich zu einem positiven Theatererlebnis bei, so dass einem nächsten Besuch nichts im Wege steht. (EIS)
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