Um einen Einblick in die Wahrnehmung der Natur zu bekommen, gingen wir mit Frau Prof. Edlinger, Frau Drumbl (Lehrerin für Blinde und Sehbehinderte) und Herrn Prof. Kern in die Spittaler Auen.
Zu Beginn machte Herr Prof. Kern mit uns einige Wahrnehmungsübungen. Natürlich waren auch unsere zwei blinden Schüler, Raphael und Johannes, daran beteiligt.
Herr Prof. Kern gab uns beeindruckende Informationen über die Natur. Das Ziel der Übungen war es "den Blick zu leiten und zu steuern".
Eine weitere Aufgabe war es, mit verschiedensten Materialien Kunstwerke vor Ort ("Land Art") zu schaffen. Natürlich hielten wir auch diese Momente mit Fotos fest.
Danach lud uns die Mutter einer Mitschülerin, Frau Suk, zu einem kleinen Snack ein. Das gemeinsame Essen war auch sehr lustig.
Diese Reise in die Natur war sehr wichtig, damit auch Raphael und Johannes die Umgebung ertasten und somit besser "sehen" können. Die beiden fühlten den Wasserstrom und da sie einen sehr ausgeprägten Gehörsinn haben, erkennen sie Dinge, die für uns Sehende eigentlich kaum wahrnehmbar sind.
Deshalb hielt Raphael mit einem Aufnahmegerät bestimmte Geräusche, wie das Rauschen des Wassers und des Windes, fest, um sie danach genau zu analysieren und wieder zu erkennen.
So beschreibt er sein Erlebnis:
Die Steine: so verschieden, manche glatt wie Metall, manche rau wie Schleifpapier, manche angewärmt durch die Sonne, manche noch kalt vom Wasser des Flusses.
Das Wasser: kühl, leicht fließend, ein schwacher Fluss, kaum bemerkbar, aber doch in Bewegung, immer in einem gleichmäßigen Rhythmus.
Das Holz: sehr verschiedenartig, manchmal morsch und staubtrocken, manchmal feucht und aufgeweicht vom Regen, oft fällt es von alten Bäumen herab, manchmal treibt es auch im Wasser dahin.
Man kann hier auch auf Baumstümpfe, die etwas über einen Meter aus dem Boden ragen, klettern. Vögel zwitschern, die Luft ist durch den Fluss sehr klamm und feucht, die Blätter rauschen, das Wasser fließt teilweise kräftig. (Raphael Stefaner)
Damit die gesammelten Erlebnisse auch fühlbar sind und wir sie festhalten konnten, bastelten wir im Zeichenunterricht aus Naturmaterialien, wie z.B. Holz, Steine, Rinden, Blätter oder Moos, diverse Kunstmodelle. Wir platzierten diese Materialien auf verschiedenen Holzformen, wie z.B. Schnecken und benutzten Fliesenkleber zum Befestigen der Gegenstände. Uns allen hat diese gemeinsame Arbeit sehr viel Spaß gemacht und ich denke, auch Johannes und Raphael haben es genossen. Es ist sehr wichtig, die beiden in das Projekt mit einzubeziehen und die Werke auch für sie sehbar bzw. ertastbar zu machen. Ich glaube auch, dass die Erfahrungen die Johannes und Raphael mit sich bringen, für uns sehr wichtig sind, damit wir auch wissen, wie sie ihren Weg gehen und ihr Leben durch höchst ausgeprägte Sinne und Gefühle meistern, auch wenn sie blind sind.
Mit diesen Naturwerken leisteten wir unseren Beitrag zur Landesausstellung "Wasser.Leben", welche dieses Jahr in Spittal präsentiert wird. So möchten wir uns herzlichst bei Frau Prof. Edlinger, Frau Drumbl und Herrn Prof. Kern für die tolle Arbeit bedanken.
Melanie Gfrerer und Raphael Stefaner, 5A
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