"Der Fremde ist nur in der Fremde fremd" Uni. Prof. Dr. Erol Yildiz - 04.04.2011

Die Fremdheit ist nur eine Frage der Perspektive, ein hier geborener Ausländer empfindet Österreich als Heimatland, ein Einheimischer sagt oft, er solle dorthin gehen, wo er herkomme.

Der Begriff Fremdheit wird fast ausschließlich in der Ausländerthematik gebraucht, es klingt deshalb oft abwertend.

Diese Sichtweise teilt sich aber in verschiedene Kategorien:

1. Bestimmte Gruppen, die als eigen betrachtet werden (Bsp.: Engländer)
2. Gruppen, die man als integrierbar einstuft (Bsp.: Franzosen, Griechen)
3. Gruppen, die nicht integrierbar sind, wie Türken oder Schwarzhäutige. Sie werden als Fremde bezeichnet.

Heute wird die Fremdheit oft normalisiert, weil man mobiler geworden ist. Hier geboren zu werden, da aufzuwachsen und dort zu leben und zu arbeiten gehört in der heutigen Zeit zum Alltag.


Ein Problem stellen die Grenzen dar: "Menschen über Grenzen, oder Grenzen über Menschen?". Grenzen verschieben sich, und Menschen bekommen andere Staatsbürgerschaften, und Väter und Kinder werden "Ausländer": Der Vater war Italiener, der Großvater Österreicher, er selbst Jugoslawe und die Kinder sind Slowenen. Hier erkennt man die Problematik mit den Grenzen.

Ein weiterer Aspekt ist die Öffnung der Orte zur Welt. Mobile Sesshaftigkeit (Bsp.: Wohnwagen) und sesshafte Mobilität (Bsp.: Internet) sind nicht mehr klar definierbar.
Auch globale und transkulturelle Einflüsse gehören zur Normalität des Alltages, wie zum Beispiel die internationale Küche oder Yoga-Kurse.
Auch Migration und Bewegung sind in der globalisierten Welt normal geworden.

Es gibt auch transnationale Lebensumstände und Netzwerke. Zum Beispiel wenn die Kinder über der Welt verteilt leben, aber ihre Beziehungen und Verbindungen weiter pflegen.

Aus diesen Gründen wird in der globalisierten Welt die Konfrontation mit der Fremdheit zur Alltagsnormalität.

Der Begriff Fremdheit wird aber auch benutzt, um den eigenen Zustand zu beschreiben. Beispiele sind:

  • In gewissen Situationen fühlt man sich fremd.
  • Alte Ehepaare sind sich oft fremd geworden.
  • Man ist sich selbst fremd geworden.
  • Fremdgehen, mit einem fremden Partner (familiär gesehen).

 

Fremdheit kann man in drei Kategorien unterteilen:

  1. Räumlich: Jemand, der von außen kommt.
  2. Zeitlich: Menschen, die später kommen.
  3. Normativ: andere Sprache, anderes Aussehen, andere Traditionen, aber auch Außenseiter (jemand, der nicht "normal" ist).

Durch diese drei Aspekte lässt sich sagen, dass die Fremdheit keine natürliche Eigenschaft ist, sondern Ausdruck einer Wechselwirkung. Es hängt auch von der Situation und Perspektive ab, was man als fremd empfindet. 
Fremd ist oder fühlt sich nur jemand, der auch von anderen so wahrgenommen wird.

Es gibt aber auch die vertraute Fremdheit (Bsp. Einkaufen gehen oder Straßenbahn fahren, zu Schule oder zum Arzt gehen). In diesem Fall ist die Fremdheit aber etwas Vertrautes.

Auf der einen Seite ist die Fremdheit also normalisiert, auf der anderen Seite gibt es aber noch bestimmte Gruppen, die als fremd angesehen werden (Ausländer).

Das Klischeehafte sehen, reduziert allerdings die Lebenswirklichkeiten von Menschen und räumt auf. Der Künstler Ursus Werhlie räumt zum Beispiel in der Kunst auf.

Yildiz nennt von H. M. Enzensberger ein Beispiel (Zugabteil). Wenn zwei Personen schon in einem Zugabteil sitzen, solidarisieren sie sich, wenn zwei neue Personen kommen. Die Schlussfolgerung daraus ist, dass Fremdwahrnehmung eine natürliche Eigenschaft von Menschen ist. Es hängt von jeder einzelnen Person ab, ob jemand etwas als fremd wahrnimmt.

Das Solidarisieren im Abteil muss aber nicht sein. Wenn zum Beispiel schon zwei Hip-Hopper im Abteil sitzen und einer dazu kommt, tritt dieser Effekt nicht in Kraft.

Astrid Pichhorner, 8C

Uni. Prof. Dr. Erol Yildiz,

1960 in der Türkei geboren, verbrachte seine Kindheit an der Schwarzmeerküste und übersiedelte nach der Matura in die "Domstadt" Köln, wo er an der Universität Köln neben Philosophie auch Pädagogik, Soziologie und Psychologie studierte. Seit dem Sommer arbeitet der Professor am Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung an der Abteilung für Interkulturelle Bildung in Klagenfurt.

http://www.uni-klu.ac.at/unisonoonline/inhalt/855_1120.htm

 

 

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