Unsere blinden Schüler ziehen Bilanz: 4 Jahre am BORG Spittal

Die Oberstufenzeit neigt sich schön langsam dem Ende zu.

"Gott sei Dank" sagen viele. Ob ich derselben Meinung bin, sei dahin gestellt. Auf jeden Fall kann ich für mich sagen, dass es eine geniale, oft anstrengende und zähe, dann aber wieder interessante und lustige Zeit war, die ich am BORG verbracht habe.

Man kann sich eigentlich als Blinder nicht mehr Entgegenkommen wünschen. An dieser Stelle darf ich noch mal meinen Lehrerinnen und Lehrern sowie dem Herrn Direktor, meiner Blindenlehrerin Johanna Drumbl und meinem Mobilitätstrainer Wolfgang Widmann, der als "der Lange" besser bekannt sein dürfte, danken. Vor allem die letzten beiden haben mir ziemlich geholfen.

Ich kann nur jedem Blinden empfehlen, ebenfalls in eine Sehendenschule zu gehen. Hier werden einem zwar nicht alle Hindernisse aus dem Weg geräumt, aber gerade das bereitet einen aufs wahre Leben vor.

Johannes Kremser, 8A

Wie alles begann ...

Die vier Jahre, die ich an dieser Schule war, haben mein Leben auf vielfältige Weise geprägt und verändert.

Gehen wir vier Jahre in der Zeit an den Anfang zurück.

Alles begann mit einem Vorgespräch zwischen Herrn Direktor Jugovits und uns zwei blinden Hauptschülern aus dem oberen Drautal mit unseren Eltern.

Von allen Schulleitern und Schulleiterinnen, die mit der Integrationsanfrage von uns Blinden kontaktiert wurden, hob sich Direktor Jugovits durch seine freundliche Offenheit und verbindliche Zusage ab.

Die Entscheidung für das BORG Spittal fiel für meine Familie sehr schnell an diesem ersten Tag des Kennenlernens.

 

Probleme & ihre Lösungen

Auch wenn das BORG Spittal schon einmal eine blinde Schülerin (Andrea Zweibrot) vor etlichen Jahren zur Matura begleitet hatte, war unsere Integration doch wieder eine neue Herausforderung für alle Professorinnen und Professoren. Innerhalb mehrerer Monate stellten sich aber alle aufeinander ein. Die neue Computertechnik erleichterte den Austausch von Informationen zwischen Schülerinnen und Schülern und Lehrerinnen und Lehrern sehr. Die Schultasche mit Büchern schrumpfte zu einem USB-Stick. Durch Unterstützung unserer Blindenlehrerin, Frau Johanna Drumbl, gelang es, zwischen der Welt der Sehenden und Blinden Übersetzungsarbeit zu leisten. Auch das Mobilitätstraining durch Trainer Wolfgang Widmann war unbedingt notwendig für die Orientierung im doch recht großen Gebäudekomplex.

Trotzdem gab es für mich fachliche Stolpersteine, die nach und nach überwunden werden mussten. Dies waren Fächer wie Mathematik, Physik oder Chemie.

Diese Hürden konnte ich mit Förder- und Nachhilfestunden bis zur Matura bewältigen.

Dort, wo ich durch meine Blindheit einfach auf natürliche Grenzen stieß, wie etwa im Fach "Bildnerische Erziehung", wurden mir andere sinnvolle Schwerpunkte und Zugänge angeboten.

 

8A - einfach klasse!

Ich hatte das Glück, in meiner Klasse offene und interessante Menschen kennenzulernen und viele neue Freunde fürs Leben zu finden.

Ein sehr bekanntes Sprichwort von Seneca lautet: "Wir lernen nicht nur für die Schule, sondern auch für das Leben."

Für meine vier Jahre am BORG Spittal kann ich diesen Weisheitsspruch bestätigen.

Ich finde, wir alle haben viele wertvolle Erfahrungen gemacht, die wir später gut gebrauchen können.

Dabei möchte ich im musikalischen Zweig des BORG besonders die spannenden Erfahrungen bei öffentlichen Auftritten hervorheben, die viele von uns als Mitglieder des Chores, der Combo oder der Big Band gemacht haben.

Zu erwähnen sind im Verlauf dieser vier ereignisreichen Jahre auch die Sportwoche in Umag, Kroatien, am Ende der sechsten Klasse und die Wienwoche in der siebten Klasse.

Ein weiteres Highlight stellte am Schulbeginn der achten Klasse der intensiv vorbereitete Maturaball dar. Er gab mir die Gelegenheit, meine Tanzfertigkeiten zu verbessern. Ein herzliches Dankeschön an Frau Prof. Rittchen.

Natürlich hat sich unsere Klassengemeinschaft im Laufe der vier vergangenen Jahre oft verändert, manche Schüler/innen gingen, und neue Schüler/innen kamen.

Ähnliche Interessen, Begabungen oder Hobbys führten dann immer wieder zu neuen Arbeitsgruppen und privaten Freundschaften.

Ein Klassentreffen in den nächsten Jahren sollten wir unbedingt organisieren. Es wird interessant sein zu erfahren, was aus den ehemaligen Schulkolleginnen und -kollegen nach einiger Zeit geworden ist und welchen Beruf oder welches Studium sie gewählt haben.

 

Fazit !

Fazit, ich habe mich im BORG immer sehr wohl und unterstützt gefühlt. Ich wollte genauso wie alle anderen Mitschüler/innen behandelt werden und wurde es auch.

Meine Integration und die meines Kollegen Johannes Kremser durch die Professorinnen und Professoren funktionierte wirklich sehr gut.

Für den Mehraufwand in den Vorbereitungen und das Umdenken in eine Welt ohne Sehsinn möchte ich allen beteiligten Lehrpersonen meinen Dank aussprechen.

Kleine Spannungen, die im Laufe des Schulalltages zwischen Professorinnen und Professoren, Schülerinnen und Schülern auftauchen mussten, sollten von allen im Nachhinein vielleicht so bewertet werden, wie es der römische Philosoph Aurelius Augustinus zum Ausdruck brachte:

"Einander mal necken, mal Achtung bezeugen, gelegentlich auch Meinungs-verschiedenheiten austragen, aber ohne Hass. Durch den selten vorkommenden Streit die sonst meist bestehende Übereinstimmung würzen; einander belehren und voneinander lernen; das ist es, was man an Freunden liebt."

Raphael Stefaner, 8A

Zernattostraße 10, 9800 Spittal/Drau, T: 04762/5509, F: 04762/5509-22, Email: borg-spittal@lsr-ktn.gv.at